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Porträt Georges Bernanos
Georges Bernanos
1888 – 1948
– Autorenporträt –

Georges Bernanos

1888 – 1948 · 60 Jahre

Französischer Romancier und streitbarer Essayist des katholischen Glaubens, der den Menschen zwischen Gut und Böse stellte und sich kompromisslos gegen den Faschismus erhob.

Kurzporträt

Zu den bedeutenden Stimmen der französischen Literatur des frühen 20. Jahrhunderts gehört Georges Bernanos (1888–1948). Er war Romancier und Essayist. Sein Werk ist von einem tiefen katholischen Glauben durchdrungen. Im Mittelpunkt seines Schreibens steht der Mensch zwischen göttlicher und teuflischer Macht, zwischen Gut und Böse. Als einer der Hauptvertreter des Renouveau catholique schuf er Romane. Oft stehen darin Priester und Ärzte in einem bäuerlichen Milieu im Mittelpunkt. Daneben trat er als streitbarer politischer Schriftsteller hervor. Er empörte sich gegen den Faschismus und gegen die Unterwürfigkeit seines Landes gegenüber Hitler. Sein offenes, klares Wort fand glühende Bewunderer ebenso wie erbitterte Gegner.


Biografie

Geboren wurde Georges Bernanos am 20. Februar 1888 in Paris. Väterlicherseits hatte er französische und spanische Vorfahren. Seine Eltern gaben ihm bei der Erziehung ihre katholisch-religiösen und monarchistischen Grundüberzeugungen mit. Diese sollten sein ganzes weiteres Leben prägen. An der Universität von Paris studierte er Jura und erwarb den akademischen Grad eines „Licencié en droit et licencié ès lettres". Bis 1924 schrieb er seine Romane im Elternhaus in Fressin im Artois.

In jungen Jahren war Bernanos politisch engagiert. Von 1908 bis 1919 gehörte er der Action française an. Als Monarchist war er in deren Jugendorganisation Camelots du roi aktiv. Er heiratete Jeanne Talbert d'Arc, die er im monarchistischen Umfeld von Paris kennengelernt hatte. Sie war eine direkte Nachfahrin des Bruders von Jeanne d'Arc. Im Ersten Weltkrieg diente er als Soldat. An der Somme und bei Verdun wurde er mehrfach verwundet.

Als Romanschriftsteller trat Bernanos seit 1926 hervor. Später wirkte er auch als politischer Schriftsteller. Er empörte sich gegen das wiederholte Zurückweichen der französischen Republik vor Adolf Hitler. Von 1934 bis 1937 lebte er auf Mallorca. Von dort aus griff er die nationalspanische Falange scharf an. Ebenso attackierte er den Opportunismus der katholischen Bischöfe und insbesondere der Jesuiten. Sein Buch über die großen Friedhöfe von 1938, Les Grands Cimetières sous la Lune, kommentierte Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli mit den Worten: „Cela brûle, mais cela éclaire" („Das brennt, aber das reinigt."). Bernanos war überzeugt, dass Papst Pius XI. persönlich verhinderte, dass er auf den „Index" gesetzt wurde – entgegen dem Betreiben spanischer Bischöfe.

Angewidert von der Unterwürfigkeit seines Landes gegenüber Hitler, ging er im Juli 1938 ins Exil nach Brasilien, zwei Monate vor dem „Münchner Abkommen". Von 1938 bis 1945 lebte er dort mit seiner Frau und seinen sechs Kindern – drei Söhnen und drei Töchtern. Sie wohnten einsam und abgeschieden auf einer Farm nicht allzu weit von Rio de Janeiro entfernt. Von dort aus wandte er sich in Essays und Aufrufen gegen das NS-loyale „Vichy-Regime". Er setzte sich für die Résistance unter Charles de Gaulle ein. Als Kriegsversehrter konnte er selbst nicht aktiv am Kampf gegen die von ihm bekämpften totalitären Regime teilnehmen. Doch seine beiden ältesten Söhne nahmen ab 1941 am Zweiten Weltkrieg teil.

Nach der Befreiung Frankreichs lud ihn General de Gaulle ein, zurückzukehren und sich sogar an der Regierung zu beteiligen. Bernanos kehrte zwar 1945 aus Brasilien zurück. Bald darauf ging er jedoch für zwei Jahre nach Tunesien. In Tunis hielt er am 4. April 1947 den bekannten Vortrag Nos amis les saints (deutsch: Unsere Freunde, die Heiligen). Im Jahr 1948 wurde er mit dem Flugzeug von Tunis zu einer Operation an der Leber nach Paris gebracht. An den Folgen dieses Eingriffs starb er am 5. Juli 1948 im Amerikanischen Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine.


Literarische Merkmale

Im Zentrum seines Romanwerks steht die Stellung des Menschen zwischen Gut und Böse, zwischen göttlicher und teuflischer Macht. Häufig stehen Priester und Ärzte im Mittelpunkt der Handlung. Diese ist im bäuerlichen Milieu angesiedelt. Bernanos baute in dieser Hinsicht auf den Schriftsteller Ernest Hello auf. Die Gleichgültigkeit betrachtete er in besonderem Maße als eine Erscheinungsform des Bösen. Vor diesem Hintergrund fand er keine zufriedenstellende Erklärung für die Blindheit seiner Landsleute gegenüber der politisch-gesellschaftlichen Lage in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Auf der anderen Seite stehen bei ihm ebenso zentral die göttliche Gnade und Barmherzigkeit. Sie sind oft die einzige Hoffnung für die Armen und Verlassenen in dieser Welt.

In seinen Essays kehrt häufig das Wort imbéciles wieder, im Plural so viel wie „die Dummen" oder „die Einfaltspinsel". Seine offene und klare Sprache provozierte manche Zeitgenossen. Sie fand aber auch rückhaltlose Bewunderer. Über Les Grands Cimetières sous la Lune schrieb Wolfgang Matz: „Ohne Übertreibung wird man dieses Buch als ein seltenes Dokument betrachten, das die Ehre der europäischen Intellektuellen in jenen finsteren Zeiten zu retten vermag. Wohl kaum je hat ein Autor sein eigenes Lager auf so direkte, unverstellte Weise angegriffen. [...] Über seine gedankliche und moralische Kraft hinaus liegt die Bedeutung des Buches in der Sprengung der ideologischen Fronten."


Rezeption

Wie nachhaltig Bernanos auf andere Denker und Schriftsteller wirkte, zeigt der Kreis seiner Bewunderer. Die französische Philosophin Simone Weil schrieb ihm Briefe aus dem Kampfgeschehen des spanischen Bürgerkriegs. Albert Camus hob in einem Antwortbrief an Gabriel Marcel die mitfühlende Anteilnahme von Bernanos am spanischen Bürgerkrieg lobend hervor. Der österreichische Schriftsteller Peter Handke bekannte, von seinen Büchern stark berührt worden zu sein. Der katholische Schweizer Theologe Hans Urs von Balthasar widmete ihm ein umfangreiches Buch über sein Leben und Gesamtwerk. Es trägt den Titel Gelebte Kirche – Bernanos und erschien 1988 in dritter Auflage.

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