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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Robert Baldwin Ross
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Porträt Robert Baldwin Ross
Robert Baldwin Ross
1869 – 1918
– Autorenporträt –

Robert Baldwin Ross

1869 – 1918 · 49 Jahre

Journalist und Kunstkritiker, vor allem bekannt als Geliebter, treuer Freund und Nachlassverwalter Oscar Wildes – ihm verdankt die Literatur die Veröffentlichung von „De Profundis“.

Kurzbiografie↑

Robert Baldwin Ross, von Freunden „Robbie“ genannt, wurde 1869 in Tours geboren und starb 1918 in London. Er arbeitete als Journalist und Kunstkritiker. Bekannt blieb er jedoch vor allem durch seine Nähe zu Oscar Wilde: Er war kurze Zeit dessen Geliebter, blieb sein enger Freund und verwaltete nach Wildes Tod den literarischen Nachlass. In dieser Rolle brachte er unter anderem De Profundis heraus, den Text, den Wilde im Gefängnis geschrieben hatte.


Biografie↑

Geboren wurde Robert Ross 1869 in Tours als jüngstes von fünf Kindern. Seine Eltern lebten in Toronto. Einige Jahre vor seiner Geburt waren sie nach Frankreich gezogen. Die Mutter Eliza hoffte, das französische Klima werde ihrer Gesundheit guttun; der Vater John schätzte die Nähe zu England, wohin er geschäftliche Verbindungen unterhielt.

Kurz nach der Geburt des Sohnes kehrte die Familie nach Toronto zurück. Dort starb John Ross bereits 1871. In seinem Testament hatte er festgelegt, dass die Kinder in England ausgebildet werden sollten. Seine Witwe verkaufte daher den kanadischen Besitz und zog mit den Kindern nach London.

Um 1886 lernte Robert Ross Oscar Wilde kennen. Er gilt als dessen erster Geliebter. Wilde war mit Constance Lloyd verheiratet, als er den damals Siebzehnjährigen zum ersten Mal sah. Wilde selbst soll später gesagt haben, Ross habe ihn als Erster verführt.

Als sich Wilde in Lord Alfred Douglas verliebte, endete die enge Beziehung zu Ross. Die Verbindung zerbrach dadurch aber nicht: Ross blieb Wildes treuer Freund. Nach Wildes Tod kümmerte er sich in mühseliger Arbeit um den Nachlass und veröffentlichte unter anderem De Profundis, den Wilde in seiner Gefängniszeit verfasst hatte.

Ross gab beim Bildhauer Jacob Epstein das Grabmal für Oscar Wilde auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise in Auftrag. Epstein schuf es zwischen 1908 und 1912. Ross starb 1918 in London. Im Jahr 1950, am fünfzigsten Jahrestag von Wildes Tod, wurde seine Asche in dieses Grabmal überführt.


Literarische Merkmale↑

Ross trat als Journalist und Kunstkritiker an die Öffentlichkeit und schrieb auch Kurzgeschichten. Seine eigentliche literarische Leistung liegt in der Arbeit am Werk eines anderen: Als Freund und später als Nachlassverwalter Oscar Wildes sichtete, ordnete und veröffentlichte er dessen Texte. Diese Editionsarbeit beschreibt die Überlieferung als mühselig.


Rezeption↑

Dauerhafte Bekanntheit erlangte Robert Ross nicht durch eigene Schriften, sondern durch seine Rolle im Leben und im Nachleben Oscar Wildes. Als dessen Geliebter, treuer Freund und Nachlassverwalter ist er festes Personal jeder Wilde-Biografie. Dass De Profundis überhaupt erschien, geht auf ihn zurück.

Zwei Lebensbeschreibungen widmen sich ihm eigens: Maureen Borland veröffentlichte 1990 Wilde's Devoted Friend: A Life of Robert Ross 1869–1918, Jonathan Fryer im Jahr 2000 Robbie Ross. Oscar Wilde's true love. Bereits die Titel zeigen, wie fest sein Andenken an Wilde gebunden ist. Auch in Kanada, dem Herkunftsland seiner Familie, wird an ihn erinnert: Janet Bonellie legte 2019 im Portal Canada's History ein Porträt vor.

Das sichtbarste Zeichen dieser Verbundenheit ist das Grab. Ross hatte Jacob Epstein mit dem Denkmal für Wilde beauftragt. 1950 wurde seine eigene Asche dort beigesetzt.

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