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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Endre Ady
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Porträt Endre Ady
Endre Ady
1877 – 1919
– Autorenporträt –

Endre Ady

1877 – 1919 · 41 Jahre

Erneuerer der ungarischen Dichtung und kritischer Chronist seiner Heimat – in Ungarn bis heute als klassischer Dichter der Moderne verehrt.

Kurzbiografie↑

Zu den bedeutenden ungarischen Dichtern des frühen 20. Jahrhunderts zählt Endre Ady, dem die Erneuerung der ungarischen Kunstdichtung vor allem zu verdanken ist. Er wurde 1877 im damaligen Österreich-Ungarn geboren und starb 1919 in Budapest. Ady arbeitete zugleich als Journalist und veröffentlichte Hunderte von Artikeln. Seine Lyrik verband die neuen Strömungen der europäischen Literatur mit einer scharfen Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen seiner Heimat. In Ungarn gilt er bis heute als klassischer Dichter der Moderne.


Biografie↑

Geboren wurde Endre Ady am 22. November 1877 in Érmindszent im Komitat Szilágy, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. Er entstammte einer adligen, aber verarmten Familie. Ady studierte in Debrecen, verließ die ungeliebte Stadt jedoch und wurde als Journalist in Großwardein (Oradea) tätig.

In Großwardein lernte er seine Geliebte Adél Brüll kennen, eine verheiratete Frau, die in seinen Gedichten Léda heißt. Mit ihr reiste er nach Paris, wo er die neuesten Strömungen der europäischen Literatur kennenlernte. Zurück in Ungarn begann Ady für die Zeitung Budapesti Napló zu arbeiten. Dort veröffentlichte er mehr als fünfhundert Artikel und viele Gedichte.

Ady begann sich für Politik zu interessieren und wurde Mitglied der radikalen Gruppe Huszadik Század (Zwanzigstes Jahrhundert). Aus den Erfahrungen von Paris entwickelte er Schritt für Schritt einen neuen Stil, die sogenannte kritische Heimatliebe: Mit seinen Gedichten wollte er die sozialpolitischen Probleme Ungarns offenlegen und eine politische Umordnung herbeiführen. Die Gedichtbände Új versek (1906) und Vér és arany (1907) erregten großes Aufsehen. Ady musste seine Tätigkeit bei Budapesti Napló beenden und ging erneut nach Paris.

Ab 1908 schrieb er für die neue Zeitschrift Nyugat (Der Westen), der er bis zum Ende seines Lebens verbunden blieb; ab 1912 gehörte er zu ihren Herausgebern. Im selben Jahr 1908 gründete er in Großwardein den literarischen Zirkel A Holnap (Das Morgen). 1912 beendete Ady seine Beziehung mit Adél Brüll. 1914 lernte er die zwanzigjährige Berta Boncza kennen, mit der er bereits seit 1911 in Briefkontakt stand. Sie heirateten 1915 gegen den Willen ihres Vaters; in seinen Gedichten erscheint sie als Csinszka.

Ady wurde heftig angegriffen, sowohl wegen seiner als unpatriotisch empfundenen politischen Haltung als auch wegen einiger erotischer Gedichte. Zu seinem Missfallen schlossen sich ihm einige Dichter an, denn bei den Jungen galt er als eine Art Trendsetter. Mit seiner Erkrankung an Syphilis ließ seine literarische Kraft nach. Während des Ersten Weltkrieges erhob er dennoch seine Stimme gegen den ungarischen Nationalismus. Er starb am 27. Januar 1919 in Budapest.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Adys Lyrik war der Einfluss des französischen Symbolismus, insbesondere von Baudelaire und Verlaine. In seinem Werk spiegelt sich die dekadente Endzeitstimmung der ungarischen Monarchie ebenso wie ihre soziale Ungerechtigkeit. Aus den Pariser Erfahrungen formte er den eigenen Ton der kritischen Heimatliebe: Gedichte, die die Probleme Ungarns benennen und auf eine politische Erneuerung zielen. Eng befreundet war Ady mit dem aus Siebenbürgen stammenden rumänischen Schriftsteller Octavian Goga, der seine Werke ins Rumänische übersetzte.


Rezeption↑

In Ungarn gilt Ady bis heute als der klassische Dichter der Moderne und als Bahnbrecher einer literarischen Sprache des 20. Jahrhunderts. Die internationale Wirkung hält mit diesem Rang jedoch nicht Schritt. Der Nachdichter Wilhelm Droste bemerkte 2011 im Nachwort zu einem neuerlichen Versuch, Adys Lyrik nach Deutschland zu tragen, es sei trotz vielfältigster Versuche bislang nicht geglückt, sein Werk europäisch oder gar weltweit hörbar und verständlich zu machen. In Rumänien gilt Ady heute vor allem als Poet der Ier-Sümpfe. Zu den Nachdichtern deutscher Zunge zählt auch der aus Pressburg stammende jüdische Exilautor Alfred Marnau (1918–1999), der unter anderem Christopher Marlowe übersetzte.

Sein Name ist an vielen Orten bewahrt. Mehrere Museen tragen ihn, darunter das Museum Endre Ady in Oradea, das Museum Endre Ady in Budapest und das Memorialmuseum Endre Ady in Érmindszent. 2021 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (345648) Adyendre. Sein Geburtsort Érmindszent heißt ihm zu Ehren seit 1957 Ady Endre.

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