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Autoreneintrag · Abraham a Sancta Clara
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Porträt Abraham a Sancta Clara
Abraham a Sancta Clara
1644 – 1709
– Autorenporträt –

Abraham a Sancta Clara

1644 – 1709 · 65 Jahre

Der große katholische Kanzelredner des Barock, dessen bildmächtige und derb-witzige Predigten in Wien Tausende anzogen.

Kurzporträt

Unter dem Ordensnamen Abraham a Sancta Clara wurde der 1644 als Johann Ulrich Megerle geborene Augustinermönch zu einem der bekanntesten katholischen Prediger des Barock. Er stammte aus einfachen Verhältnissen im schwäbischen Kreenheinstetten und stieg bis zum kaiserlichen Hofprediger in Wien auf. Mit einer bildkräftigen, derb-witzigen und zugleich streng sittenpredigenden Sprache zog er große Zuhörermengen an und hinterließ rund 600 Einzelschriften. Sein bekanntestes Buch ist die vierteilige Sammlung Judas, der Erzschelm. Bis heute gilt er als einer der wichtigsten deutschsprachigen Kanzelredner und Erbauungsschriftsteller seiner Zeit.


Biografie

Geboren wurde Johann Ulrich Megerle 1644 in Kreenheinstetten auf der Schwäbischen Alb und am 3. Juli getauft. Sein Vater Matthäus Megerle betrieb dort die Gaststätte „Zur Traube“ und galt trotz seiner Leibeigenschaft als einer der wohlhabendsten Männer des Dorfes. Über die Zahl der Geschwister gehen die Quellen auseinander: Die Deutsche Biographie nennt ihn das letzte von acht Kindern, andere Angaben sprechen vom achten von zehn Kindern. Dem Dorfpfarrer fiel die Begabung des Jungen auf, sodass er ab 1652 die Schlossschule im nahen Meßkirch besuchen konnte.

Nach dem Tod des Vaters 1656 ermöglichte ihm sein Onkel und Vormund Abraham Megerle den weiteren Bildungsweg. Dieser Onkel war ein angesehener Musiker und Domkapellmeister, den Kaiser Ferdinand III. in den Adelsstand erhoben hatte. Der junge Megerle besuchte bis 1659 das Jesuitengymnasium in Ingolstadt und wechselte 1660 zu den Benediktinern nach Salzburg, wo er bis 1662 blieb.

Im Jahr 1662 trat er im Kloster Maria Brunn bei Wien in den Orden der Augustiner-Barfüßer ein. Aus Dankbarkeit gegenüber seinem Onkel nahm er den Ordensnamen Abraham a Sancta Clara an. Für den Eintritt musste er zunächst gegen Zahlung von zwölf Gulden aus der Leibeigenschaft entlassen werden. Es folgten philosophische und theologische Studien in Wien, Prag und Ferrara. Die Priesterweihe empfing er 1666, nach anderen Angaben erst 1668, in der Wiener Augustinerkirche.

Zunächst wirkte er als Feiertagsprediger im bayerischen Kloster Taxa bei Augsburg. Wegen seiner Redekunst wurde er bald wieder nach Wien gerufen, wo er ab 1669 in vielen Kirchen und Klöstern predigte. Immer wieder prangerte er dabei die Laster seiner Zeit an, etwa Völlerei, Trunksucht und Habgier. Die erste überlieferte Predigt hielt er 1673 zu Ehren des Landespatrons Leopold vor dem kaiserlichen Hofstaat. Kaiser Leopold I. ernannte ihn am 28. April 1677 zum Subprior und kaiserlichen Hofprediger. Fortan verkehrte er in den vornehmsten Kreisen.

Während der Pest von 1679 lebte Abraham fünf Monate lang zurückgezogen im Haus des Grafen Johann Balthasar Hoyos. Dort entstand sein erstes großes Werk Merck's Wienn!, das um das Thema des Todes kreist. 1680 wurde er zum Prior seines Klosters gewählt, 1682 nach Graz versetzt. Auch dort predigte er, so während der zweiten Türkenbelagerung Wiens 1683.

Ab 1686 wirkte er als Prior und später als Provinzial am Grazer Kloster am Münzgraben. In diese Jahre fiel seine schriftstellerische Hochzeit. Mehrmals reiste er in Ordensangelegenheiten nach Rom, so 1686, 1689 und 1692. In vier Teilen zwischen 1686 und 1695 erschien sein Hauptwerk Judas, der Erzschelm. Ab 1690 leitete er von Wien aus die deutsch-böhmische Ordensprovinz, 1697 erhielt er den Titel eines Definitors. Ein langjähriges Gichtleiden und die vielen Ämter zehrten an seiner Gesundheit. Er starb am 1. Dezember 1709 im Alter von 65 Jahren und wurde in der Gruft der Wiener Augustinerkirche bestattet.


Literarische Merkmale

Bekannt wurde Abraham a Sancta Clara als der katholische Barockprediger schlechthin. Seine Predigten sind kraftstrotzend, derb unterhaltsam und zugleich hintersinnig. Ganz im Geist seiner Zeit ging es ihm nicht um knappe Klarheit, sondern um die ausschweifende Darbietung von Gelehrsamkeit, Geschichten, Gleichnissen und Wortspielen. Ein übergreifender Gedanke verband dabei locker die vielen Einzelheiten.

Als Priester verfolgte er vor allem seelsorgerische Ziele. Er wollte die Menschen ihrem Seelenheil zuführen und ordnete alles menschliche Handeln den Gegensätzen von Heil und Sünde zu. So lobte er die in den Heiligen verkörperten Tugenden und prangerte die Laster an. Sein Erfolg beruhte auch darauf, dass er die Lebenswirklichkeit seiner Zuhörer kannte. Seine eigene Herkunft aus niederem Stand machte ihn dabei glaubwürdig.

Den Anstoß zum Schreiben gab ihm die Pest von 1679. In Merck's Wienn! stellte er den Tod als Allegorie im Geist des damals beliebten Totentanzes dar. Die zweite Türkenbelagerung 1683 brachte ihn zur Kampfschrift Auf, auf, ihr Christen!. In der vierbändigen Judas, der Erzschelm versammelte er satirische, humoristische und moralisierende Predigten zu einer erfundenen Lebensgeschichte des Judas Iskariot. Andere Werke wie Etwas für Alle ordnen sich der Ständeliteratur zu und gleichen bebilderten Lehrbüchern, ähnlich Sebastian Brants Narrenschiff. Häufig schob er Gedichte in seine Prosa ein, die später gern in Anthologien aufgenommen wurden.

Ein dunkler Zug prägt sein Werk. In vielen Schriften hetzte er gegen Juden, denen er zahllose Untugenden zuschrieb. In Merck's Wienn! machte er Hexen und Juden für die Pest verantwortlich, obwohl damals gar keine Juden mehr in Wien lebten. Ebenso agitierte er gegen die Frauen. In solchen Passagen mischte sich, wie es in der Forschung heißt, der rigorose Ton des Fanatikers in seine Reden.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten galt Abraham a Sancta Clara als beliebter und stadtbekannter Redner. Zeitgenossen bescheinigten ihm ein „ungemeines Auditorium und Zulauf des Volkes“. Bei Kaiser Leopold I., der ihn oft predigen hörte, stand er in hoher Gunst. Seine literarische Bedeutung liegt laut der Neuen Deutschen Biographie zweifellos in der Predigt. Fülle, Gewandtheit und Macht seines Wortes müssen von durchschlagender Wirkung gewesen sein.

Die NDB urteilt zugleich abgewogen. Abraham sei kein schöpferischer und kaum ein erfinderischer Geist gewesen, habe aber die Kunst des Fabulierens in allen Registern beherrscht. Im großen Wurf, der vierbändigen Judas, der Erzschelm, versage ihm die ordnende Hand, sodass alles in Anekdoten und Bilder zerfalle. Dennoch seien seine Schriften eine reiche Fundgrube für die Kultur- und Sittengeschichte des Barock. In der Reihe der großen Prediger und Moralsatiriker halte er sich auf gleicher Höhe.

Seine Wirkung reicht bis in die deutsche Klassik. Die Predigt Auf, auf, ihr Christen! regte Friedrich Schiller zur Kapuzinerpredigt in Wallensteins Lager an. Belegt ist dies durch einen Hinweis Goethes vom 5. Oktober 1798 und durch Schillers Briefe vom 8. und 9. Oktober 1798. Einzelne Gedichte Abrahams wurden später von Herausgebern wie Karl Krolow und Marcel Reich-Ranicki für Anthologien ausgewählt.

Umstritten bleibt die Nachwirkung seiner judenfeindlichen Schriften. Sein antijüdischer Furor wurde vom Nationalsozialismus geschätzt, wird aber in heutigen Auswahlbänden meist ausgespart. An sein Leben erinnern mehrere Denkmäler, darunter eine 1910 in Kreenheinstetten enthüllte Bronzestatue und ein 1928 in Wien errichtetes Denkmal am Burggarten. In Wien und Graz wurden Straßen und Gassen nach ihm benannt.

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