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Werkseintrag · Der Modeladen
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Der Modeladen
1806
– Werkseintrag –

Der Modeladen

1806 · Komödie

In einem Pariser Modeladen mitten in Petersburg prallen russische Bodenständigkeit und französische Modesucht aufeinander, und ausgerechnet eine kluge Dienerin zieht die Fäden.

Überblick

Das Lustspiel Der Modeladen von Iwan Krylow ist eine Komödie in drei Aufzügen. Der Autor schrieb es 1806. Im selben Jahr, am 27. Juli 1806, wurde es in Sankt Petersburg zum ersten Mal auf der Bühne gespielt. Der gedruckte Text erschien 1807, eine zweite Ausgabe folgte 1816. Krylow nimmt darin gesellschaftliche Schwächen seiner Zeit aufs Korn, vor allem die modische Begeisterung für alles Französische. Das Stück verbindet dabei heitere Komik mit einem deutlich patriotischen Ton.

Inhalt (ohne Spoiler)

Schauplatz der Handlung ist der Modeladen der Madame Caré, in dem man teure Waren aus Frankreich kaufen kann. Schon der Ort ist mit Bedacht gewählt: An ihm zeigt Krylow, wie kostspielig und wie unpatriotisch die Vorliebe für ausländische Moden ist. Im Mittelpunkt steht die Familie des Gutsbesitzers Sumburow. Seine Frau schwärmt für die französische Mode, während er selbst sich als Anhänger des Altrussischen gibt und den fremden Firlefanz ablehnt.

Doch Sumburow ist keine reine Verkörperung des vernünftigen Standpunkts. Zwar redet er dem Russischen das Wort, aber er bekommt seine streitsüchtige Frau nicht in den Griff, lässt sich hinters Licht führen und fürchtet das Urteil der anderen. In den Modeladen führt zugleich eine zweite Geschichte: Der junge Adlige Lestow möchte um Lisa werben, die Tochter Sumburows. Doch Frau Sumburowa will Lisa mit dem hoch verschuldeten Nedoschtschetow verheiraten. Die junge leibeigene Dienerin Mascha greift mit klugem Geschick ein: Sie bringt die Schulden des unerwünschten Bewerbers ans Licht, und eine List um geschmuggelte Ware, die im Laden versteckt wird, führt schließlich die Wende herbei.

Die Handlung im Detail

Der ganze Reigen spielt im Modeladen der Madame Caré, wo Waren aus Frankreich verkauft werden. Krylow richtet seine Komödie gegen die gesellschaftlichen Laster seiner Zeit, allen voran gegen die Modeversessenheit auf alles Ausländische, die er als ruinös und vaterlandslos schildert.

Die Frau des Gutsbesitzers Sumburow ist ganz der französischen Mode verfallen. Ihr Mann stellt sich als Verfechter des Russischen dar und erklärt von sich, er jage der Mode nicht nach und sei ein Ehemann von altem russischem Schlag. Auf den ersten Blick scheint er die Stimme des Autors zu sein. Doch Krylow zeichnet ihn vieldeutig: Er tritt für die russischen Bräuche und gegen die fremde Mode ein, kann aber seiner zänkischen Frau nicht Einhalt gebieten, fällt auf Betrug herein und hat Angst vor dem Gerede der Leute.

Neben der Modesucht bringt das Stück ein zweites gesellschaftliches Problem auf die Bühne: die Geringschätzung und Herzlosigkeit gegenüber Menschen niederen Standes, die das ungehörige Benehmen ihrer Herrschaft wohl oder übel ertragen müssen. Gerade hier setzt Krylow einen Gegenakzent. Die junge leibeigene Dienerin Mascha ist den Herrschaften geistig überlegen. Mit großer Findigkeit hilft sie dem jungen Adligen Lestow, Hand und Herz seiner Angebeteten zu gewinnen: Lisa, die Tochter Sumburows.

Am Ende zieht das Familienoberhaupt Sumburow die Bilanz. Er wünscht sich Frieden unter allen Beteiligten, jedoch nur unter einer Bedingung: dass künftig niemand mehr auch nur auf eine Werst den französischen Läden nahekomme.

Stil

Verfasst ist das Stück in reinem, klarem Russisch. Kritiker der Zeit hoben hervor, dass der komische Zug sich durch das ganze Werk hindurchziehe und die Figuren vortrefflich gezeichnet seien. Auffällig war für die Zeitgenossen, dass Krylow den Alltag drastisch schilderte und dabei auch Schimpfworte einsetzte. Bemerkenswert ist zudem, dass sich der Autor mit einem eigenen wertenden Wort zurückhält. Die Hauptfigur Sumburow ist bewusst mehrdeutig angelegt und sprengt das gewohnte Bild einer klaren Vorbildgestalt.

Rezeption

Der Erfolg auf der Bühne war beträchtlich. Zugleich zeigten sich die Kritiker überrascht über die ungewöhnliche Machart der Komödie. Sie fanden, dass die Hauptfigur den Rahmen der herkömmlichen Darstellung verlasse und nicht liebenswert genug sei, um den Zuschauer um ihn bangen zu lassen. Aus der Anlage seines Charakters lasse sich kein eindeutiger Schluss auf das Glück der Hauptpersonen ziehen. Ein Rezensent der Zeitschrift „Lizej“ hob als Besonderheit hervor, dass die Figuren für ihre Verfehlungen nicht bestraft würden. N. Stepanow betonte, das Werk sei von einem warmen patriotischen Gefühl durchdrungen und ziele darauf, Achtung und Liebe zur russischen Kultur zu wecken und die nationalen Überlieferungen zu bewahren. Theaterkritiker rühmten, das Stück sei in reinem Russisch geschrieben und überaus lehrreich.

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