Herbsttag in der Präfektur Kui
Überblick↑
Das Gedicht Herbsttag in der Präfektur Kui stammt von dem chinesischen Dichter Du Fu (712–770), einem der bedeutenden Vertreter der Tang-Dichtung. Sein vollständiger Titel lautet übersetzt etwa: „Herbsttag in der Präfektur Kui, ein Lied, dem Aufseher Zheng und dem Berater Li vorgelegt, in hundert Reimen“. Du Fu schrieb es während seines Aufenthalts in Kuizhou, wohin es ihn nach den Wirren der An-Lushan-Rebellion verschlagen hatte. Das Werk zählt zu jenen Gedichten, die in späteren Jahrhunderten große Aufmerksamkeit erfuhren, besonders während der Song-Zeit, als sich Dichter um Su Shi auf seine Reime bezogen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Anlass und Schauplatz des Gedichts ist ein Herbsttag in der Präfektur Kui, dem heutigen östlichen Chongqing. Diese Gegend liegt in der Schluchtlandschaft der Drei Schluchten am Jangtsekiang, einem großen Verkehrsweg quer durch China und einer Landschaft von eindrucksvoller Schönheit. Sie galt seit alters als Ort, an den verbannte Dichter geschickt wurden und an dem sie ihre Klagen niederschrieben.
Du Fu verfasste das Werk in einer Zeit, in der er fern seiner nördlichen Heimat lebte. Die An-Lushan-Rebellion hatte China erschüttert und ihn wie viele andere aus seiner angestammten Umgebung vertrieben. Das lange Gedicht ist an zwei Amtsträger gerichtet, den Aufseher Zheng und den Berater Li, und trägt so den Charakter einer persönlichen Zueignung. Es reiht sich in eine Dichtungstradition ein, in der Landschaft, Herbststimmung und das Los des Verbannten miteinander verbunden werden.
Die Handlung im Detail↑
Bei dem Werk handelt es sich um ein umfangreiches Gedicht von zweihundert Zeilen, gegliedert in hundert Reimpaare. Weil der Reim jeweils am Ende eines Paares steht, spricht man von „hundert Reimen“. Du Fu widmete es dem Aufseher Zheng und dem Berater Li und legte es ihnen als Lied vor.
Der Schauplatz Kuizhou hat eine lange Geschichte. Die Präfektur wurde im Jahr 619 eingerichtet und war während der gesamten Tang-Zeit von Bedeutung, da sie am Jangtsekiang lag und wechselnd zu verschiedenen Verwaltungskreisen gehörte. Schon unter der Han-Dynastie war der Ort bekannt, damals unter dem Namen „Baidi“, auf Deutsch „Weißer Kaiser“; spätere chinesische Dichtung griff diesen Namen als Umschreibung auf. Nach der An-Lushan-Rebellion, die im Dezember 755 begann und erst nach fast acht Jahren niedergeschlagen wurde, erlebte die Gegend als Zufluchtsort einen Zustrom von Menschen und einen Aufschwung. Gegen Ende der Tang-Zeit wurde dieselbe Region jedoch zum Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen, die zum Zerfall des Reiches beitrugen.
Du Fu selbst wurde durch die Rebellion aus seiner nördlichen Heimat vertrieben und gelangte schließlich nach Kuizhou, wo das Gedicht vermutlich entstand. Es steht in der Tradition der sogenannten Xiaoxiang-Dichtung, die über tausend Jahre lang gepflegt wurde. Diese Dichtung verbindet die Schilderung landschaftlicher Schönheit mit dem Schicksal von Beamten, die wegen ihrer Ansichten verbannt und in entlegene Gegenden geschickt wurden. So klingt in dem Werk das Grundthema dieser Gattung an: die Lage des Amtsträgers, der fern der Heimat in eine abgelegene Region verbannt ist. Überliefert ist das Gedicht in der 230. Rolle der Sammlung der vollständigen Tang-Gedichte.
Stil↑
In seiner Form ist das Gedicht streng gebaut: Es umfasst zweihundert Zeilen, die zu hundert Reimpaaren zusammengefasst sind. Der Reim erscheint jeweils am Ende eines Paares, weshalb das Werk als Gedicht „in hundert Reimen“ bezeichnet wird. Diese durchgehende Reimordnung gibt dem langen Text seinen Zusammenhalt und bestimmt seinen Klang.
Inhaltlich und stilistisch gehört das Werk zur Xiaoxiang-Dichtung, einer der klassischen Gattungen der chinesischen Lyrik. Sie ist geprägt von der Schilderung landschaftlicher Wunder, vom Ton der Klage und vom verhaltenen Widerspruch gegen staatliche Bevormundung. Geografisch ist diese Dichtung mit der Region um den Dongting-See und südlich davon verbunden, zu der auch Kuizhou zählt. Häufig steht sie in enger Verbindung zu ebenso gestimmter chinesischer Kalligrafie und Malerei.
Rezeption↑
Besondere Beachtung fand das Gedicht während der Song-Dynastie. Der Dichter Su Shi und die Dichter seines Kreises bezogen sich auf Du Fus Werk, indem sie in eigenen Gedichten dieselben Reimwörter verwendeten. Auf diese Weise spielten sie unterschwellig auf Sinn und Stimmung von Du Fus Zeilen an, ohne offen auszusprechen, was als unziemlich hätte getadelt werden können.
Dieses Verfahren erlaubte es Su Shi und anderen, Ansichten über Regierung und Gesellschaft zu äußern, ohne dafür belangt zu werden. Su Shi hatte zuvor die Folgen einer allzu deutlichen Sprache erfahren: Im sogenannten Prozess der Krähenterrasse war seine Dichtung als Beweismittel gegen ihn verwendet worden, was zu seiner Verurteilung und Verbannung geführt hatte. Die verdeckte Anspielung über das Reimschema wurde so zu einer Form des vorsichtigen Widerspruchs. Die Aufmerksamkeit für Du Fus Werk hielt über die Song-Zeit hinaus bis in die Gegenwart an.
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