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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Bram Stoker
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Porträt Bram Stoker
Bram Stoker
1847 – 1912
– Autorenporträt –

Bram Stoker

1847 – 1912 · 64 Jahre

Irischer Schriftsteller, der mit seinem Roman „Dracula“ das bis heute prägende Bild des Vampirs schuf.

Kurzbiografie↑

Abraham „Bram“ Stoker war ein irischer Schriftsteller, der 1847 geboren wurde und 1912 starb. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Roman Dracula, den er 1897 veröffentlichte. Neben dem Schreiben arbeitete er als Journalist, als Theaterkritiker und über viele Jahre als Manager eines Londoner Theaters. Den großen Erfolg seines Vampirromans erlebte er selbst nicht mehr.


Biografie↑

Geboren wurde Stoker am 8. November 1847 als drittes von sieben Kindern. Beim Geburtsort weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata nennt Clontarf bei Dublin, die Deutsche Nationalbibliothek nennt Dublin. Bis zu seinem siebten Lebensjahr war er schwer krank und konnte weder allein stehen noch gehen. Seine Genesung galt seinen Ärzten als Wunder. Diese frühe Erfahrung wirkte in sein späteres Schreiben hinein, und das Thema des Todes und der Wiederkehr der Toten blieb ihm wichtig.

Nach der Krankheit entwickelte sich Stoker zum Sportler und war ein bekannter Fußballspieler am Trinity College in Dublin. Dort studierte er von 1864 bis 1870 Geschichte, Literatur, Mathematik und Physik. Anschließend wurde er Beamter bei der Justizverwaltung im Dublin Castle, wo auch sein Vater tätig war. Diese Arbeit stellte ihn jedoch nicht zufrieden. In dieser Zeit verfasste er ein Handbuch für Vorsitzende bei Schnellgerichtsverfahren.

Daneben arbeitete er als Journalist und Theaterkritiker und schrieb Artikel für das Dublin University Magazine. Sein Interesse am Theater führte zu einer lebenslangen Freundschaft mit dem Schauspieler Henry Irving. 1878 heiratete Stoker Florence Balcombe, eine Nachbarin aus Clontarf, um die auch Oscar Wilde geworben hatte. Mit ihr zog er in den Londoner Stadtteil Chelsea, wo er als Manager von Irvings Lyceum Theatre arbeitete. Durch diese Tätigkeit gelangte er in die Londoner Gesellschaft und traf dort unter anderem James McNeill Whistler und Arthur Conan Doyle. Im Gefolge von Irving bereiste er die Welt. Als Buchautor besserte er sein Einkommen auf. Silvester 1879 kam sein Sohn Irving Noel zur Welt.

Politisch stand Stoker der Liberal Party nahe und interessierte sich stark für irische Politik. Er trat für eine friedlich erreichte Selbstverwaltung Irlands ein, blieb aber ein überzeugter Monarchist und meinte, Irland solle im britischen Empire bleiben. Er bewunderte den Premierminister William Ewart Gladstone, den er persönlich kannte. Aufgewachsen war er als Protestant in der Church of Ireland. Stoker glaubte an den Fortschritt und an eine wissenschaftlich begründete Medizin. Er interessierte sich für den Okkultismus, besonders für den Mesmerismus, verachtete aber Betrug und hielt die wissenschaftliche Methode dem Aberglauben für überlegen.

1890 traf Stoker den ungarischen Professor Arminius Vámbéry, der ihm von der Legende des rumänischen Fürsten Vlad III. erzählte. Aus dieser Gestalt entwickelte er die Figur des Vampirs Dracula. Sieben Jahre arbeitete er an dem Roman, bis Dracula am 18. Mai 1897 erschien. Den großen Erfolg des Buches erlebte er nicht mehr. Nach mehreren Schlaganfällen starb er 1912 in finanziell bescheidenen Verhältnissen; einige Quellen nennen Überarbeitung als Todesursache. Auch beim Sterbeort weichen die Quellen ab: Wikidata nennt St George's Square, die Deutsche Nationalbibliothek nennt London. Sein Leichnam wurde im Golders Green Crematorium eingeäschert. Eine Behauptung seines Neffen Daniel Farson, Stoker sei an Syphilis gestorben, ist nicht belegt.


Literarische Merkmale↑

Neben Dracula schrieb Stoker eine Reihe weiterer Romane, darunter The Snake's Pass, The Mystery of the Sea und The Jewel of Seven Stars. Sein Interesse an Naturwissenschaft und Fortschritt schlug sich in einigen Werken nieder: Romane wie The Lady of the Shroud gelten als frühe Beispiele der Science-Fiction. Daneben verfasste er Kurzgeschichten und Märchen für Kinder, etwa den Band Under the Sunset, sowie Sachbücher, darunter Erinnerungen an Henry Irving.


Rezeption↑

Als Gründerväter des modernen Vampirmythos gelten John Polidori, Joseph Sheridan Le Fanu und Bram Stoker. Während die beiden anderen das allgemeine Interesse an der Figur des Vampirs weckten, prägte Stoker mit Dracula das konkrete Bild dieser Gestalt. Seine Witwe Florence gab 1914 den Erzählband Dracula's Guest and Other Weird Stories posthum heraus. Zu Ehren des Autors verleiht die Vereinigung der US-amerikanischen Horrorschriftsteller seit 1987 jährlich den Bram Stoker Award, den unter anderem Stephen King, Clive Barker, Dean Koontz und Joyce Carol Oates erhalten haben.

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