1896 – 1940
F. Scott Fitzgerald
Kurzporträt↑
Francis Scott Key Fitzgerald zählt heute zu den wichtigsten amerikanischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren und starb 1940 mit nur 44 Jahren in West Hollywood. Sein erster Roman This Side of Paradise (Diesseits vom Paradies) machte ihn 1920 als 23-Jährigen über Nacht berühmt. Gemeinsam mit seiner Frau Zelda Sayre führte er in den 1920er Jahren ein aufsehenerregendes, verschwenderisches Leben. Beide galten der amerikanischen Öffentlichkeit als typische Vertreter ihrer Generation. Als seine wichtigsten Romane gelten The Great Gatsby (Der große Gatsby, 1925) und Tender Is the Night (Zärtlich ist die Nacht, 1934). Bereits in den 1930er Jahren war Fitzgerald weitgehend in Vergessenheit geraten. Er starb in der Überzeugung, sein Ziel verfehlt zu haben. Erst ab den 1940er Jahren wurde er wiederentdeckt.
Biografie↑
Fitzgerald wurde am 24. September 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren. Seine Eltern waren Edward Fitzgerald und dessen Frau Molly, geborene McQuillan. Beide Eltern waren gläubige Katholiken. Seinen Vornamen Francis erhielt er zu Ehren seines Urgroßonkels Francis Scott Key, des Dichters der amerikanischen Nationalhymne. Er war das dritte Kind. Seine beiden älteren Schwestern waren kurz vor seiner Geburt im Kleinkindalter gestorben. Eine 1900 geborene Schwester lebte nur eine Stunde, und nur die 1901 geborene Annabel überlebte. Der Vater besaß zunächst eine Möbelfabrik, musste sie aber 1898 verkaufen. Danach arbeitete er als Großhandelskaufmann für Procter & Gamble in Buffalo. 1908 verlor er auch diese Anstellung. Daraufhin kehrte die Familie nach St. Paul zurück und lebte fortan vom Vermögen der Mutter. Dieses Einkommen reichte für den komfortablen Lebensstil der oberen Mittelschicht in einem wohlhabenden Stadtteil.
In St. Paul besuchte Fitzgerald ab 1908 die St. Paul Academy. Dort fiel er bereits durch Theaterstücke, Lieder und Gedichte auf. Seine erste Kurzgeschichte erschien 1909 im Schulmagazin, als er dreizehn Jahre alt war. Da seine schulischen Leistungen zu wünschen übrig ließen, schickten ihn die Eltern auf das katholische Internat Newman School in New Jersey. Auch dort fiel er weniger durch Noten als durch seine veröffentlichten Geschichten auf. Er freundete sich mit Father Cyril Sigourney Webster Fay an. Dieser diente ihm später als Vorbild der Figur Monsignor Darcy in This Side of Paradise.
Ab September 1913 studierte Fitzgerald an der Princeton University. Akademisch war er dort jedoch nicht erfolgreich und schloss das Studium nie ab. In Princeton lernte er Edmund Wilson und John Peale Bishop kennen, die für seine literarische Entwicklung wichtig wurden. Wilson wurde später ein führender Literaturkritiker. Fitzgerald bezeichnete ihn nach eigenen Angaben als sein „intellektuelles Gewissen". Von Ende 1914 bis Januar 1917 hatte er eine Beziehung zu der wohlhabenden Ginevra King. Sie bestärkte ihn in dem Gefühl, dass soziale und finanzielle Schranken arme Männer von der Heirat reicher Frauen abhielten. Im Mai 1917, nach dem Kriegseintritt der USA, meldete er sich bei der Armee und wurde als second lieutenant in der Infanterie eingestuft. Zu seinem lebenslangen Bedauern wurde er nie nach Europa entsendet. Während seiner Stationierung in Montgomery (Alabama) lernte er im Juli 1918 die vier Jahre jüngere Zelda Sayre kennen. In sie verliebte er sich sofort. Da unsicher war, ob er genug verdienen würde, lehnte sie eine Ehe zunächst ab. Im Juni 1919 löste sie die Verlobung.
Der Verlag Scribner’s hatte ein frühes Romanmanuskript zunächst zweimal abgelehnt. Die dritte Fassung wurde in This Side of Paradise umbenannt. Sie wurde im September 1919 vom Lektor Maxwell Perkins angenommen. Im Februar 1920 verkaufte Fitzgerald erstmals eine Kurzgeschichte an ein auflagenstarkes Magazin. Nur eine Woche nach Erscheinen des Romans heirateten Zelda und Scott Fitzgerald im April 1920 in New York City. Der Roman wurde von der Kritik sehr gut besprochen und machte ihn schlagartig berühmt. Der Verkauf von Kurzgeschichten, Essays und Artikeln wurde zu einer wichtigen Einkommensquelle. Diese betrachtete er allerdings vor allem als Broterwerb. Die Anerkennung als bedeutender Autor erhoffte er sich allein über seine Romane.
Das Paar stand bald im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Durch Interviews und aufsehenerregende Auftritte hielt es das öffentliche Interesse wach. Trotz hoher Einnahmen waren beide so verschwenderisch, dass sie ständig verschuldet waren. Fitzgeralds lebenslange Alkoholprobleme begannen ebenfalls 1920. 1921 reiste das Paar durch Europa. Im Oktober 1921 kam die einzige Tochter Frances, genannt Scottie, zur Welt. 1922 erschien der zweite Roman The Beautiful and Damned (Die Schönen und Verdammten). Im selben Jahr bezog die Familie ein Haus in Great Neck auf Long Island. Dessen Umgebung wurde später in The Great Gatsby zu den Orten West Egg und East Egg. 1924 zog das Paar an die französische Riviera, wo Fitzgerald an The Great Gatsby arbeitete. Der Roman erschien im April 1925. Kritik und Verkaufszahlen blieben zu seiner Enttäuschung jedoch verhalten. Er war mit Ernest Hemingway befreundet, den er für den besseren Schriftsteller hielt. Ab Januar 1927 arbeitete Fitzgerald zeitweise als Drehbuchautor in Hollywood.
Die zweite Hälfte der 1920er Jahre war zunehmend von Fitzgeralds Alkoholismus und Zeldas psychischen Problemen geprägt. Zelda erlitt 1930 einen schweren Nervenzusammenbruch und musste in der Schweiz in eine Klinik eingewiesen werden. 1932 folgte eine erneute Einweisung in Baltimore. Die hohen Kosten verschärften die finanzielle Lage. Sein ehrgeiziger Roman Tender Is the Night wurde 1934 weder bei der Kritik noch beim Publikum ein Erfolg. Das trieb Fitzgerald tiefer in die Alkoholsucht und Depressionen. Diese Zeit nannte er später seine „Crack-Up"-Phase. Ab 1937 arbeitete er wieder, unter anderem für MGM in Hollywood. Im Sommer 1937 lernte er die Reporterin Sheilah Graham kennen, mit der er bis zu seinem Tod liiert war. 1939 begann er den Hollywood-Roman The Last Tycoon. Er starb am 21. Dezember 1940 nach zwei Herzinfarkten im Haus seiner Geliebten und wurde auf dem Rockville Cemetery in Maryland begraben. Den unvollendeten Roman bearbeitete Edmund Wilson für die Veröffentlichung. Zelda Fitzgerald starb 1948 bei einem Brand in einer Klinik in Asheville.
Literarische Merkmale↑
Berühmt wurde Fitzgerald als Chronist seiner eigenen Zeit. In This Side of Paradise porträtierte er die junge Generation nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere die emanzipierte Lebensweise der „Flappers". In The Great Gatsby setzte er sich mit Themen wie Dekadenz, Ausschweifung, Idealismus, dem Widerstand gegen Veränderung und sozialen Umbrüchen auseinander. Er zeichnete ein treffendes Bild der „Roaring Twenties" – der von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappers geprägten 1920er Jahre.
Wiederkehrend ist in seinem Werk die Erfahrung gesellschaftlicher Schranken. Schon in Princeton hatte er erlebt, dass die amerikanische Gesellschaft keineswegs klassenlos war, sondern nach Religion, wirtschaftlichem Erfolg und Herkunft unterschied. In The Great Gatsby spiegelt sich diese Trennung im Gegensatz zwischen West Egg und East Egg. Seine zahlreichen Kurzgeschichten betrachtete Fitzgerald selbst vor allem als Broterwerb und stand ihnen zunehmend kritisch gegenüber. Sein Freund Ernest Hemingway bemängelte seinen Schreibstil als zu affektiert. Er kritisierte ihn dafür, sich nicht auf sein eigentliches Talent zu konzentrieren.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten erlebte Fitzgerald einen tiefen Fall. Nach dem frühen Ruhm der frühen 1920er Jahre war er in den 1930er Jahren weitgehend vergessen. Dazu trugen sein Alkoholismus und die Erkrankung seiner Frau bei. Sein Name war zu seinem Nachteil eng mit den vergangenen Goldenen Zwanzigern und der glamourösen Welt der Reichen verbunden. Diese Welt war nach dem Börsencrash von 1929 und in der folgenden Weltwirtschaftskrise diskreditiert. Er starb 1940 in der Überzeugung, sein Lebensziel verfehlt zu haben.
In den 1940er Jahren begann eine schrittweise Wiederentdeckung seines Werks. Möglicherweise stand sein früher Tod am Anfang dieser Entwicklung. Im Zweiten Weltkrieg wurde The Great Gatsby an Soldaten zum Lesen ausgeteilt. Literaturwissenschaftler beschäftigten sich mit seinem Werk, um daran amerikanische Identität und den Aufstieg der USA zur Weltmacht zu erklären. In den folgenden Jahrzehnten stieg Fitzgeralds Ansehen stetig. Er gilt heute allgemein als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. The Great Gatsby wird als eines der wichtigsten Werke der amerikanischen Moderne und als „Great American Novel" eingeordnet. Zum weltweiten Bestseller wurde der Roman durch die kommerziell erfolgreiche Verfilmung von 1974. T. S. Eliot bezeichnete ihn als den „ersten Entwicklungsschritt, den der amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe".
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