1796 – 1840
Karl Immermann
Kurzporträt↑
Karl Leberecht Immermann (1796–1840) war ein deutscher Jurist und Schriftsteller. Als Dramatiker, Lyriker und Prosaiker bewegte er sich zwischen Romantik und Realismus. Hauptberuflich diente er als preußischer Richter, zuletzt als Landgerichtsrat in Düsseldorf. Berühmt wurde er nicht nur durch seine literarischen Werke. Auch seine Theaterleitung am Düsseldorfer Stadttheater (1834–1837) trug dazu bei, die als Immermannsche Musterbühne in die deutsche Theatergeschichte einging. Er stand im regen Austausch mit Heinrich Heine, Ludwig Tieck und Goethe. Im Literaturbetrieb seiner Zeit nahm er eine vielseitige Vermittlerrolle ein.
Biografie↑
Karl Leberecht Immermann wurde am 24. April 1796 in Magdeburg geboren. Sein Vater war der preußische Kriegs- und Domänenrat Gottlieb Leberecht Immermann. Er wuchs, wie die Deutsche Biographie schreibt, in der nüchternen Luft der friderizianischen Aufklärung auf. Im Elternhaus wurde der Preußenkönig nahezu wie eine Ersatzreligion verehrt, und die autoritäre Person des Vaters verschmolz mit der des Königs. Als Kind erlebte er den Zusammenbruch Preußens und die Kapitulation seiner Vaterstadt. Diese frühe Erfahrung prägte laut NDB sein Verhältnis zur Epoche bis in die Spätzeit.
Von 1807 bis 1813 besuchte er das Pädagogium des Klosters „Unser Lieben Frauen" in Magdeburg. Anschließend studierte er von 1813 bis 1817 an der Universität Halle-Wittenberg Jura. Als Napoleon die Universität im August 1813 aufhob, kehrte er kurz nach Magdeburg zurück und meldete sich im Dezember als freiwilliger Jäger. Ein Nervenfieber zwang ihn jedoch ins Lazarett, so dass er seinen Truppenteil erst auf dem Rückmarsch erreichte. Seinen Vater, der am Karfreitag im belagerten Magdeburg starb, sah er nicht wieder. 1815 meldete er sich zum zweiten Mal freiwillig. Er kämpfte bei Ligny, Waterloo und Paris mit und wurde am Ende des Feldzugs als Offizier entlassen.
Im Frühjahr 1817 geriet Immermann mit der schlagenden Verbindung „Teutonia" in Halle in Konflikt. Nach einem Überfall auf einen Studenten wandte er sich mit den Schriften Ein Wort zur Beherzigung und Letztes Wort … gegen Roheit und Unduldsamkeit der Burschenschaft. Er reiste sogar nach Berlin, um dem König den Streit persönlich vorzutragen. Die Burschenschaft wurde kurz darauf aufgelöst. Sein mutiger Protest aus Gewissensnot trug ihm allerdings den Verdacht reaktionärer Gesinnung ein. Fouqué kündigte ihm noch 1820 deshalb die Freundschaft, und seine Erstlingsschrift wurde 1817 auf dem Wartburgfest verbrannt.
Es folgte eine juristische Laufbahn: 1818 Auskultator in Oschersleben, 1819 Referendar in Magdeburg, vortragender Auditeur am Militärgericht in Münster (1819–1824), Kriminalrichter in Magdeburg (1824–1827) und schließlich Landgerichtsrat in Düsseldorf (1827–1840). 1825 wurde er in die Freimaurerloge „Ferdinand zur Glückseligkeit" in Magdeburg aufgenommen.
In Münster begann seine schriftstellerische Tätigkeit. Auf den Spuren von Sophokles, Shakespeare, Schiller und Goethe verfasste er die Tragödien Das Thal von Ronceval, Edwin und Petrarca (alle 1822) sowie die Lustspiele Die Prinzen von Syracus (1821) und Das Auge der Liebe (1824). 1820 lernte er in Dresden Ludwig Tieck kennen, dem er sich bis in seine Spätzeit eng verbunden wußte. Es entstanden auch Kontakte zu Heinrich Heine, Goethe, Friedrich von Uechtritz, Caroline de la Motte Fouqué und Rahel Varnhagen von Ense. 1821 begegnete er in Münster Elisa von Lützow (geb. von Ahlefeldt-Laurwig, 1788–1855), der acht Jahre älteren Frau des Freikorpsführers Adolf von Lützow. Sie ließ sich 1825 scheiden und folgte Immermann nach Magdeburg und Düsseldorf. Dort lebte sie mit ihm auf dem Collenbachschen Gut in Pempelfort.
In Düsseldorf befreundete er sich mit Wilhelm Schadow und Künstlern der Kunstakademie. 1829 war er maßgeblich an der Gründung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen beteiligt, dessen Verwaltungsrat er bis zu seinem Lebensende angehörte. Besondere Verdienste erwarb er sich als Leiter des Düsseldorfer Stadttheaters von 1834 bis 1837. Sein künstlerisches Konzept wurde als Immermannsche Musterbühne zum Vorbild für deutsche Theater. Er hob sich damit von seinem Vorgänger Josef Derossi ab, der mehr auf Tradition und Publikumsgeschmack setzte. Derossi hatte das Theater aufgebaut und Immermann zunächst gefördert, wurde aber später eher ein Gegenspieler. Anfangs bewies Immermann viel Geschick, indem er Theaterfreunde in einem Verein und einer Aktiengesellschaft zusammenführte. Nach wenigen Jahren scheiterte er jedoch an den knappen Finanzen und musste die Leitung 1837 an Derossi zurückgeben.
In Düsseldorf pflegte er Kontakt zu Michael Beer, Christian Dietrich Grabbe, Karl Gutzkow, Heinrich Laube und Ferdinand Freiligrath. Auch literarische Auseinandersetzungen blieben nicht aus, etwa mit Hermann von Pückler-Muskau und August von Platen. Auf dessen Spott im Romantischen Ödipus (1829) antwortete Immermann mit dem Pasquill Der im Irrgarten der Metrik umhertaumelnde Cavalier. Aus dem Streit, in dem Heine ihn verteidigte, erwuchs ein gesellschaftlicher Skandal. In dessen Folge gingen sowohl Heine als auch Platen ins Exil. 1839 heiratete Immermann Marianne Niemeyer (1819–1886), Tochter des Arztes Eduard Niemeyer in Magdeburg. Am 25. August 1840 starb er nach kurzer Krankheit im Haus auf der Ratinger Straße Nr. 45 in Düsseldorf und wurde auf dem Golzheimer Friedhof beigesetzt.
Literarische Merkmale↑
Immermann verstand sich nicht nur als Dichter, sondern auch als Kritiker und Vermittler. Seit der Zeit in Münster meldete er sich, wie die Deutsche Biographie hervorhebt, regelmäßig als Rezensent zu Wort. Er verteidigte den alten Goethe der Wanderjahre gegen seinen Verunglimpfer Pustkuchen. Er charakterisierte auf kluge Weise die Prosa Achim von Arnims und entdeckte vor allem in drei Rezensionen den jungen Heine als modernen Poeten. Im Dezember 1822 begann sein Briefwechsel mit Heine. 1824 folgte in Magdeburg das persönliche Zusammentreffen.
Seine Jugendwerke zeigen laut der NDB eine bis ins Bedenkliche gehende Fähigkeit zur Adaption überlieferter Formen. Das gilt für seine Lyrik, die recht wahllos den verschiedensten Vorbildern folgt. Es gilt ebenso für die frühen Dramen, die deutlich die Spuren Tiecks, Shakespeares, Goethes und sogar der von ihm später so kritisch beurteilten romantischen Schicksalstragödie verraten. Noch epigonaler erscheinen die Lustspiele, die alle in seine frühe Zeit gehören. Weit bedeutender war der junge Immermann, so urteilt die Deutsche Biographie, als Prosaiker und Kritiker.
Zu seinem kritischen Schaffen gehört auch die geistvolle Abhandlung Über den rasenden Ajax des Sophokles (1825), in der das antike mit dem modernen Theater konfrontiert wird. Karl Gutzkow hat den Grundzug seines Charakters treffend beschrieben: „Wenn Immermann von geistigen Interessen sprach, war er revolutionär; so oft er auf Deutschlands politische Lage kam, war er preußischer Beamter und ehemaliger Freiwilliger." Dieser Widerspruch von revolutionären und konservativen Impulsen, von Autorität und Autoritätsverlust, prägt auch sein Werk.
Rezeption↑
Die Wirkungsgeschichte Immermanns ist eng mit seiner Düsseldorfer Theaterarbeit verbunden. Die als Immermannsche Musterbühne bekannt gewordene Theaterleitung wurde zum Vorbild für deutsche Bühnen und sicherte ihm einen festen Platz in der Theatergeschichte. Innerhalb des Literaturbetriebs seiner Zeit nahm er eine vielseitige Vermittlerrolle wahr, wie seinen Tagebüchern und Briefen zu entnehmen ist. Diese Rolle brachte ihn mit nahezu allen wichtigen Stimmen seiner Generation in Verbindung, von Goethe und Tieck über Heine bis zu Grabbe, Gutzkow, Laube und Freiligrath.
Zugleich war seine Stellung umstritten. Schon der frühe Streit mit der Burschenschaft Teutonia brachte ihm den Verdacht reaktionärer Gesinnung ein und kostete ihn die Freundschaft Fouqués. Die spätere Auseinandersetzung mit August von Platen, in die auch Heine hineingezogen wurde, eskalierte zu einem gesellschaftlichen Skandal. Dieser hatte für Heine wie für Platen das Exil zur Folge. Auch die NDB konstatiert, dass seine Jugendwerke heute weitgehend vergessen sind.
Das Andenken wird besonders an seinen beiden Lebensorten gepflegt. In Magdeburg widmet sich die Immermann-Gesellschaft seinem Werk, und die Stadt Düsseldorf verleiht den nach ihm benannten Immermann-Preis. Sein Nachlass befindet sich im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar, im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf und in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Die Deutsche Biographie widmet ihm sowohl in der ADB (1881) als auch in der NDB (1974) einen ausführlichen Artikel. Das zeigt, dass sein Werk in der germanistischen Forschung dauerhaft präsent geblieben ist.
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