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Porträt Paul Fleming
Paul Fleming
1609 – 1640
– Autorenporträt –

Paul Fleming

1609 – 1640 · 30 Jahre

Bedeutendster Lyriker der frühen deutschen Barockliteratur, der seine Liebes- und Reisegedichte zwischen Leipzig, Moskau und Isfahan schrieb und mit dreißig Jahren in Hamburg starb.

Kurzporträt

Paul Fleming (1609–1640) gilt als der bedeutendste Lyriker der frühen deutschen Barockliteratur. In nur dreißig Lebensjahren führte er ein ungewöhnlich dichtes Leben. Er begann ein Medizinstudium, unternahm eine abenteuerliche Gesandtschaftsreise nach Russland und Persien und schuf ein dichterisches Werk in deutscher und lateinischer Sprache. Kurz zuvor hatte er in Leiden den medizinischen Doktorgrad erworben. 1640 starb er in Hamburg an einer Lungenentzündung. Seine Liebes-, Reise- und geistlichen Gedichte erschienen größtenteils posthum. Sie prägten das Bild der frühbarocken Kunstpoesie nachhaltig.


Biografie

Paul Fleming wurde am 5. Oktober 1609 in Hartenstein im sächsischen Vogtland geboren. Er war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming. Den ersten Unterricht erteilte ihm der Vater selbst. Seine Mutter Dorothea starb 1616. Laut der Deutschen Biographie betreute eine Stiefmutter, Ursula Zehler, liebevoll ihn und seine Schwester. Seine Patin Katharina Gräfin von Schönburg ermöglichte dem begabten Knaben die weiterführende Ausbildung. Er besuchte zunächst die Stadtschule in Mittweida, ab 1623 die Thomasschule in Leipzig, wo ihn der Kantor Johann Hermann Schein aufnahm. Schon in Mittweida lernte er die lateinischen Dichter kennen. In Leipzig prägte ihn die Nähe zur Musik und zum Gesellschaftslied.

In welchem Jahr Fleming an der Universität Leipzig begann, ist in der Forschung umstritten. Die Wikipedia nennt 1628, die Allgemeine Deutsche Biographie nennt Michaelis 1626. Die NDB spricht ebenfalls vom Herbst 1628 als Beginn des Universitätsstudiums. Eingeschrieben war er an der Medizinischen Fakultät. Durch seinen Stubengenossen und Freund Georg Gloger (1603–1631) geriet er in einen Kreis junger Schlesier, die Martin Opitz als Wegweiser verehrten. Gloger machte ihn mit dem Buch von der Deutschen Poeterey bekannt. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming. 1631 wurde er zum Poeta laureatus gekrönt, 1632 erwarb er den Baccalaureus, 1633 den Magistergrad in Medizin. Die Doktorarbeit konnte er in Leipzig nicht abschließen. Kaiserliche Truppen besetzten und plünderten die Stadt, und Seuchen brachen aus.

1633 folgte Fleming einer Einladung seines Freundes Adam Olearius nach Holstein. Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf engagierte ihn als Hofjunker, Arzt und Truchsess für eine große Gesandtschaft. Diese sollte über Moskau nach Persien gehen und den Seidenhandel zwischen Persien und Russland anbahnen. Anfang August 1634 erreichte die Gruppe Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück. Fleming verweilte mit den übrigen in Reval. Dort verkehrte er vom 10. Januar 1635 bis 2. März 1636 in der humanistisch gebildeten Gesellschaft.

Im Oktober 1635 brach die Gesandtschaft unter Leitung von Olearius und Otto Brüggemann nach Persien auf. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Die Eindrücke spiegeln sich in einem Gedichtzyklus über Persien und das kumykische Shamchalat Tarki. Bereits 1635 hatte Fleming in Reval die drei Töchter des Hamburger Kaufmanns Heinrich Niehus(en) kennengelernt. Um Elsabe, die mittlere Tochter, warb er in Oden und Sonetten. Als sie 1637 den Hauslehrer Salomon Matthiae heiratete, wandte er sich ihrer jüngeren Schwester Anna zu. Mit ihr verlobte er sich 1639 auf der Rückreise in Reval.

1640 erwarb Fleming an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde, mit der Dissertation De lue Venerea. Er wollte sich in Reval als Stadtphysikus niederlassen. Auf dem Weg dorthin erkrankte er aber in Hamburg an einer Lungenentzündung. Dort starb er am 2. April 1640, dreißigjährig. Er wurde im Chorumgang der Hauptkirche St. Katharinen bestattet. Sein Grabstein wurde im Krieg zerstört; an seiner Stelle befindet sich dort seit 1959 eine Gedenktafel.


Literarische Merkmale

Flemings dichterischer Ausgangspunkt war Martin Opitz und dessen Reform der deutschen Versdichtung. Seine ersten Gedichte sind, wie er selbst eingestand, Nachahmungen des Schlesiers. Auch das frühe geistliche Werk folgte einem höheren Meister: die Bearbeitung der Bußpsalmen von 1631 und das Klagegedicht Über das unschuldigste Leiden und Tod unseres Erlösers Jesu Christi von 1632. Aus Leipzig brachte er zugleich die Nähe zur Musik mit. Durch Johann Hermann Schein blieb ihm das Sangbare des Tones und das Gemüthafte von Empfindung und Ausdruck nahe. Seine geistliche Lyrik entstand mit Blick auf die damals von Heinrich Schütz und Schein gepflegte Motettenkomposition.

Die lateinischen Gedichte sammelte er 1632 als Rubella sive Suaviorum liber. Anfangs folgte er Catull und Johannes Secundus. Später wirkte der Petrarkismus der Neulateiner immer stärker, vor allem in der Vermittlung durch Daniel Heinsius. Heinsius lieferte auch die Motive für deutsche Oden und Sonette. In Alexandriner-Reimpaaren besang Fleming Ausflüge und Feste des Freundeskreises. Die NDB sieht in dieser Phase ein sympathisches Spielen mit dem Vorgefundenen, gewandte Variationen aus reicher Belesenheit. Die ernsten Gedanken hielten sich im Rahmen des Stoizismus, den Opitz von Heinsius übernommen hatte.

Persönliche Erschütterung wurde merklich beim Tod Glogers, beim Tod der Jugendgeliebten Rubella 1630 und einer Liebeserfüllung durch Desiderie um 1633, noch in schäferlicher Einkleidung. Mit den Jahren der Reise gewann Fleming künstlerische Selbständigkeit. In Reval entstanden deutsche Gedichte, in denen heitere Galanterie ohne die Sentimentalität des Petrarkismus frei mit überlieferten Motiven spielt. In den werbenden Oden und Sonetten an Elsabe Niehusen rang er um innere Klärung. Einen Schiffbruch deutete er in einem Sonett als religiöses Erlebnis aus christlich vertieftem Stoizismus. Das Gedicht Ein getreues Hertze wissen an Elsabe betonte den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung.

Die NDB fasst den reifen Stil so zusammen: Flemings lebhafte Warmherzigkeit überwindet die seelische Schematik des Petrarkismus und erfüllt den Stoizismus mit mutigem, christlich vertieftem Treue- und Pflichtethos. Die rhetorische Konvention weicht inniger Intensität in beschwingten Oden und männlicher Verhaltenheit in Sonetten. Auch das neunstrophige Kirchenlied In allen meinen Taten gehört zu seinem Werk. Es ist gesetzt auf die Melodie von O Welt, ich muss dich lassen von Heinrich Isaac.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten fanden Flemings Arbeiten Anerkennung. August Buchner schätzte den jungen Dichter; ihm widmete er 1632 sein Klagegedicht. Veröffentlicht wurden zu seinen Lebzeiten allerdings nur zwei Werke: die lateinische Sammlung Rubella, seu Suaviorum Liber (1631) und die Klagegedichte über das Leiden Christi (1632). Den Hauptteil seines Werkes legte Adam Olearius nach Flemings Tod vor. 1641 erschien in Hamburg eine Auswahl unter dem Titel Prodromus, herausgegeben von Niehus mit einer Vorrede von Olearius. 1642 folgten in Lübeck die Teutschen Poemata mit ihren bemerkenswerten Liebesliedern, später umbenannt in Geist- und Weltliche Poemata. Neuausgaben folgten 1651, 1660, 1666 und 1685. Olearius nahm zudem viele unterwegs entstandene Gedichte in seine Persianische Reisebeschreibung (Schleswig 1647) auf.

Im 19. Jahrhundert besorgte Johann Martin Lappenberg die maßgeblichen Editionen: 1863 die lateinischen, 1865 die deutschen Gedichte. Letztere ordnete er innerhalb der einzelnen Abteilungen chronologisch. 1870 folgte eine Auswahl von K. Tittmann. Die Überlieferung untersuchte A. Bornemann 1882 in einer Greifswalder Dissertation. Die Allgemeine Deutsche Biographie würdigte Fleming 1878, die Neue Deutsche Biographie 1961. Letztere nennt ihn die bedeutendste Dichterpersönlichkeit frühbarocker Kunstpoesie in Deutschland.

Sein Kirchenlied In allen meinen Taten hat in zahlreiche Gesangbücher Eingang gefunden. In der Belletristik widmete Uwe Berger ihm 1983 den Roman Das Verhängnis oder Die Liebe des Paul Fleming (Aufbau-Verlag, Berlin). Daniel Kehlmann lässt in seinem Roman Tyll (Rowohlt, Reinbek 2017) im Kapitel Die große Kunst von Licht und Schatten einen Magister Fleming auftreten. Dieser ist ein Reisegefährte von Adam Olearius, disputiert mit dem Jesuiten Athanasius Kircher und trifft auf Tyll Ulenspiegel. In Flemings Geburtshaus, dem Paul-Fleming-Haus in Hartenstein, ist eine Gedenkstätte für den Dichter eingerichtet.

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