Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Pío Baroja
Eingang · Autoren · Pío Baroja
Porträt Pío Baroja
Pío Baroja
1872 – 1956
– Autorenporträt –

Pío Baroja

1872 – 1956 · 83 Jahre

Spanischer Erzähler und Arzt aus dem Baskenland, der als Stimme der Generación del 98 vom Ringen seines Landes um eine neue Gestalt erzählte.

Kurzbiografie↑

Zu den bekannten Vertretern der spanischen Literatur um 1900 zählt Pío Baroja y Nessi. Er wurde am 28. Dezember 1872 in San Sebastián geboren und starb am 30. Oktober 1956 in Madrid. Ausgebildet als Arzt, fand er erst über Umwege zur Schriftstellerei. So wurde er zu einer der bekannten Stimmen der sogenannten Generación del 98. Das war eine Gruppe von Intellektuellen, die nach der nationalen Erschütterung von 1898 für eine geistige und politische Neubesinnung Spaniens eintrat. In seinen Romanen verbanden sich scharfe Beobachtung, ein ausgeprägter Pessimismus und die Sehnsucht nach dem Heldischen. Sein Schreiben kreiste immer wieder um die eigene Person.


Biografie↑

Barojas Vater war der Bergwerksingenieur Serafín Baroja (1840–1912), der aus baskischer Herkunft stammte. Seine Mutter war Carmen Nessi y Goñi (1849–1935), die aus der Lombardei kam. In dieser Mischung der Herkunft suchte Baroja später oft den Grund für seinen inneren Zwiespalt. Der Vater arbeitete für mehrere Zeitungen und schrieb Gedichte und Aufsätze in spanischer wie in baskischer Sprache. Er beeinflusste das literarische Interesse seines Sohnes, obwohl Baroja selten über ihn sprach. Das Verhältnis zur Mutter sei viel inniger gewesen. Auch seine Geschwister Carmen Baroja (1883–1950) und Ricardo Baroja (1871–1953) waren künstlerisch und schreibend tätig. Als Geburtsort nennen die Quellen San Sebastián, daneben auch Donostia-San Sebastián.

Seine Kindheit nach 1880 war von häufigem Umziehen wegen des Berufs des Vaters geprägt. Das ständige Herausgerissenwerden aus vertrauten Kreisen verwehrte ihm der Überlieferung nach dauerhafte Freundschaften. Den Großteil seines Lebens verbrachte Baroja in Madrid. Dort legte er am Instituto San Isidro mit fünfzehn Jahren sein bachillerato ab. 1887 begann er ein Medizinstudium. Im vierten Studienjahr besuchte er die Pathologiekurse von José de Letamendi y Manjarrés (1828–1897). Das verstärkte seine kritische Haltung gegenüber dem damaligen Kenntnisstand der Medizin. Das Studium brachte zunächst keinen Erfolg. Zweimal fiel er an der Facultad de San Carlos durch die Zwischenprüfung. Nachdem der Vater nach Valencia versetzt worden war, wechselte Baroja den Studienort. Verbittert vertiefte er sich in die Arbeit und legte 1893 an der Universität Valencia die Abschlussprüfung ab. Mit einer Studie über den Schmerz erlangte er den Doktorgrad. Diese Arbeit war mehr von Theorien als von Experimenten getragen und warf einen pessimistischen Blick auf das Leben, ähnlich wie bei Schopenhauer. Bezeichnend war seine Erkenntnis, dass das Leben im Normalzustand weder Lust noch Schmerz, sondern ein Gefühl der Gleichgültigkeit auslöse.

Ab 1894 betätigte sich Baroja als Amtsarzt (médico de pueblo) im kleinen Städtchen Cestona in der Provinz Gipuzkoa. In dieser Zeit entstanden seine ersten Erzählungen. Mit ihnen wollte er Land und Leute des Baskenlandes einer breiten Öffentlichkeit nahebringen. Sein Aufenthalt dort war kurz. Nach längerer Stellungslosigkeit versuchte er sich gemeinsam mit seinem Bruder Ricardo in Madrid an einer geerbten Bäckerei. Ihr Erfolg stellte sich erst nach einiger Zeit ein.

Baroja gehörte zur Generación del 98, einer Bezeichnung, die auf José Martínez Ruiz zurückging. Die Folgen des Spanisch-Amerikanischen Krieges wurden vielfach als nationale Erschütterung erlebt und führten zu einer angespannten Lage im Königreich Spanien. Die Generación del 98 trat für eine politische Neubesinnung des Landes ein. Sie lehnte die überlieferten Vorstellungen von Kunst, Idealen, Moral und Politik ab. Seine erste Veröffentlichung war die Novellensammlung Vidas Sombrías. Sie erschien 1900 mit geringem Erfolg. Hier verband sich scharfe Beobachtungsgabe mit feiner seelischer Empfindsamkeit. Wenig später lernte er José Martínez Ruiz kennen, der unter dem Künstlernamen „Azorín“ schrieb. Um beide versammelte sich eine Gruppe junger Intellektueller. Dort begegnete er auch dem Schweizer Paul Schmitz, der ihn in die Ideen Nietzsches einführte. Dieser prägte ihn fortan neben Schopenhauer.

In den folgenden Jahren gründete Baroja Zeitschriften oder arbeitete an ihnen mit, etwa „El Globo“ oder „Juventud“. In ihnen spiegelten sich Gedanken über nationale Wiedergeburt, demokratische Strukturen, Sozialismus und politischen Anarchismus. Den schriftstellerischen Durchbruch brachte 1902 der Roman Camino de Perfección, der für das Ringen seiner Generation stand. Baroja war ein leidenschaftlicher Reisender und arbeitete seine Eindrücke in viele Romane ein. Besonders beeindruckte ihn Deutschland, dessen Geistesleben er führend in Europa sah. Politisch trat er ungern hervor, denn das Geschäft schien ihm zu schmutzig. Doch war er ein offener Gegner der Diktatur Primo de Riveras. Einen typischen Bildungsroman schuf er mit El árbol de la ciencia (1911). Er war pessimistisch grundiert und durch die Figur des Andrés Hurtado stark autobiografisch gefärbt.

Während des Spanischen Bürgerkriegs lebte Baroja von 1936 bis 1939 wie viele Intellektuelle in Frankreich. Er wollte sich keiner der Kriegsparteien zugehörig erklären. Von 1935 bis zu seinem Tod war er Mitglied der Real Academia Española. Am 30. Oktober 1956 starb er im Alter von 83 Jahren in Madrid. Seine Schwester Carmen war 1949 gestorben, sein Bruder Ricardo 1953.


Literarische Merkmale↑

Bezeichnend für Barojas Schreiben ist die enge Verbindung von scharfer Beobachtung und seelischer Empfindsamkeit. Sie trat schon in seinen frühen Erzählungen hervor. Über seinem Werk liegt eine durchgängig pessimistische Grundhaltung. Sie geht auf seine frühe Beschäftigung mit Schopenhauer und später mit Nietzsche zurück. In seinen Abenteuerromanen findet die Sehnsucht nach dem Heldischen einen starken Ausdruck. Zugleich spiegelt er die Probleme der Spanier, die seit 1898 um die neue Gestalt ihres Landes rangen. Viele seiner Bücher sind stark autobiografisch geprägt. Helmut Demuth weist darauf hin, dass Baroja eigentlich immer von sich selbst handele. Seine Werke teilte Baroja selbst in zwei Gruppen: die einen schrieb er mit mehr Arbeit als Vergnügen, die anderen mit mehr Vergnügen als Arbeit.


Rezeption↑

Seinen Platz in der Literaturgeschichte verdankt Baroja vor allem seiner Zugehörigkeit zur Generación del 98. Zu deren bekannten Mitgliedern wird er gerechnet. Seine erste Veröffentlichung war die Novellensammlung Vidas Sombrías von 1900. Sie fand zunächst nur geringen Widerhall. Den eigentlichen Durchbruch brachte erst 1902 der Roman Camino de Perfección, der stellvertretend für das Ringen seiner Generation stand. Die Anerkennung seines Werkes zeigt sich auch darin, dass er von 1935 bis zu seinem Tod 1956 Mitglied der Real Academia Española war.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (24 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten